Intergeschlechtlich: das dritte Geschlecht?
Das Argument klingt überzeugend: es gibt intergeschlechtliche Menschen, also ist Geschlecht ein Spektrum. Es stimmt nicht. DSD ist eine medizinische Erkrankung, keine zusätzliche Kategorie.
Die Zahlen
Der tatsächliche Anteil von Menschen mit einer DSD-Variante – Disorders of Sex Development, auch Differences in Sex Development – ist klein. Der ursprüngliche Artikel stellt fest: „Bei weniger als 1 Prozent der Menschen liegt eine genetische Abweichung vor, bei der das biologische Geschlecht nicht ganz eindeutig ist.“
In strengeren klinischen Definitionen liegt der Anteil sogar deutlich unter 0,02 Prozent. Das Bild, „etwa 1,7 Prozent seien intergeschlechtlich“ – eine vielzitierte aktivistische Zahl – stützt sich auf eine weite Definition, die auch späte Menarche und Hypospadie mitzählt.
Dreißig Varianten, zwei Geschlechter
Unter dem Sammelbegriff DSD fallen Dutzende verschiedener Krankheitsbilder, jedes mit eigener Ursache. „Hier liegt DSD (disorder/differences in sex development) oder Intergeschlechtlichkeit vor, mit ganzen dreißig Varianten.“
Beispiele:
- Androgenresistenz-Syndrom (AOS) – XY-Individuum, der Körper reagiert nicht auf Testosteron und entwickelt einen weiblichen Phänotyp.
- Klinefelter-Syndrom – XXY, männlicher Phänotyp mit eingeschränkter Fertilität.
- Kongenitale adrenale Hyperplasie (CAH) – XX-Mädchen mit Androgenüberschuss.
- Turner-Syndrom – XO, weiblicher Phänotyp ohne vollständige Pubertät.
Keine dieser Bedingungen macht jemanden „zwischen Mann und Frau“. Es sind Abweichungen von den zwei bekannten Geschlechtsentwicklungswegen, nicht ein dritter Weg.
Warum die Spektrum-Behauptung nicht stimmt
Ein Spektrum impliziert eine kontinuierlich gleitende Skala mit unzähligen Zwischenwerten. Die Biologie der menschlichen Fortpflanzung kennt nur zwei Gameten: große, unbewegliche Eizellen und kleine, bewegliche Samenzellen. Dazwischen liegt nichts. Wer diese große Gamete produziert (oder dazu angelegt ist), ist weiblich; wer die kleine Gamete produziert (oder dazu angelegt ist), ist männlich. „Intergeschlechtlichkeit ist eindeutig kein drittes Geschlecht und kann daher nicht als Argument dafür herangezogen werden, dass das biologische Geschlecht ein Spektrum sei.“
Seltene Abweichung ist keine neue Regel
Die Argumentation „es gibt Ausnahmen, also stimmt die Regel nicht“ wird nirgendwo sonst akzeptiert. Menschen werden mit sechs Fingern geboren, mit Dextrokardie (Herz auf der rechten Seite) oder mit nur einer Niere. Daraus folgt nicht, dass der normale Körperbauplan in Frage gestellt würde. Der ursprüngliche Artikel: „Manche haben weniger oder mehr davon, aber das führt zu keinem anderen Modell.“
Intergeschlechtliche Menschen wollen selbst keine dritte Schublade
Interessenvertretungen von Menschen mit DSD, etwa das Niederländische Netzwerk Intersekse und international InterACT, haben sich wiederholt von der politischen Nutzung ihrer Erkrankung als Beweis für Genderideologie distanziert. Die meisten intergeschlechtlichen Menschen identifizieren sich schlicht als Mann oder Frau und wollen vor allem bessere medizinische Versorgung und das Ende unnötiger Operationen bei Säuglingen. Ihre Erfahrung wird von einer Bewegung vereinnahmt, zu der sie nicht gehören.
Geschlechtsidentität und Intergeschlechtlichkeit sind zwei Dinge
Das Verschweigen des Unterschieds ist ein rhetorischer Trick. Transgender-Identität betrifft ein psychologisches Empfinden bei einem gesunden Körper mit unstrittigem Geschlecht. DSD ist eine körperliche, oft chromosomale Erkrankung des Körpers selbst. Wer beides in einen Topf wirft, nutzt das Leid einer kleinen medizinischen Gruppe, um eine kulturelle Behauptung zu legitimieren.
Zusammengefasst
Der ursprüngliche Artikel schließt mit dem Kernsatz: „Tatsächlich werden manche Menschen mit einer Mischung von Geschlechtsmerkmalen geboren, aber das bedeutet nicht, dass das menschliche Geschlecht damit nicht-binär ist.“
Zwei Geschlechter, seltene medizinische Ausnahmen, kein Spektrum. Das ist der Stand der Biologie.
Quellenangabe
Dieser Artikel ist eine Bearbeitung von „Intersekse, het derde geslacht?“, veröffentlicht auf genderpunt.nl am 10. Februar 2021.