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Androgyn

'Androgyn' beschreibt eine Kombination männlicher und weiblicher Merkmale in Aussehen, Ausdruck oder Identität. Das Wort stammt aus dem Griechischen (andros = Mann, gynē = Frau) und wird seit der Antike verwendet — unter anderem in der Philosophie Platons und der alchemistischen Tradition.

Was ist damit gemeint?

Der Begriff wird auf drei Arten verwendet. (1) Als äußerliche Beschreibung: eine Person, deren Geschlecht nicht direkt aus Kleidung, Frisur oder Gesichtsmerkmalen ablesbar ist — man denke an Modetypen wie Tilda Swinton oder David Bowie. (2) Als Genderexpression: bewusstes Kleiden oder Auftreten zwischen Mann und Frau. (3) Manchmal als Identitätslabel, vergleichbar mit non-binär, obwohl das heutzutage weniger gängig ist.

Unterscheidung und Überlappung

Androgyn verweist klassisch vor allem auf Ausdruck und Aussehen, nicht notwendigerweise auf inneres Erleben. Damit unterscheidet es sich von non-binär, was ein Identitätslabel ist. Ein Mann kann androgyn wirken, ohne sich anders als Mann zu fühlen; bei einer Frau ebenso. Der Begriff überlappt außerdem mit genderneutral als ästhetische Wahl.

Gesellschaftlicher und praktischer Kontext

Androgynie ist in der Mode-, Kunst- und Musikwelt seit Jahrzehnten etabliert und in der Regel unumstritten. Sie ist eine der ältesten öffentlich akzeptierten Formen der Abweichung von der gängigen Mann/Frau-Präsentation und kennt keine medizinischen oder juristischen Implikationen.

Kritische Perspektiven

Weil Androgynie primär eine ästhetische und soziale Kategorie ist, entgeht der Begriff vieler Kritik, die an neueren Identitätslabels geübt wird. Gleichzeitig zeigt Androgynie, dass es möglich ist, von der gängigen Genderpräsentation abzuweichen, ohne eine medizinische oder rechtliche Transition vorzunehmen. Für diejenigen, die zweifeln, ob medizinische Schritte überhaupt passen, ist das eine relevante Beobachtung: Äußerliche und soziale Variation steht losgelöst von körperlichen Eingriffen.

Quellen

  • Platon. Symposium (ca. 385 v. Chr.). Die Rede des Aristophanes beschreibt 'androgynoi'.
  • Bem, Sandra L. (1974). "The measurement of psychological androgyny." Journal of Consulting and Clinical Psychology, 42(2). DOI
  • Heilbrun, Carolyn G. (1973). Toward a Recognition of Androgyny. Knopf.
  • Singer, June (1976). Androgyny: Toward a New Theory of Sexuality. Anchor Books.