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John Money

1921–2006 · neuseeländisch-amerikanischer Psychologe · Begründer des heutigen Genderkonzepts

Kernpunkt

John Money prägte um 1955 den Begriff „gender role“, um soziales Verhalten vom biologischen Geschlecht zu unterscheiden. Seine These — dass Kinder geschlechtsneutral geboren werden und durch Erziehung und Chirurgie zu jedem Geschlecht geformt werden können — stützte er auf einen einzigen klinischen Fall: David Reimer. Dieser Fall erwies sich als Betrug. Das Kind nahm sich mit 38 Jahren das Leben. Die These bildet noch immer das theoretische Fundament der internationalen Transgender-Versorgung.

Biografie

John William Money wurde am 8. Juli 1921 in Morrinsville, Neuseeland, geboren. Er promovierte 1952 in Harvard und baute seine Karriere an der Johns Hopkins University in Baltimore auf. Dort gründete er 1966 die Gender Identity Clinic — die erste ihrer Art weltweit. Er veröffentlichte mehr als 2000 Artikel und Bücher. Er starb am 7. Juli 2006 in Towson, Maryland.

Der Begriff Gender

Vor Money wurde „gender“ im Englischen fast ausschließlich in der Sprachwissenschaft verwendet (männliches/weibliches grammatisches Geschlecht). In seiner Dissertation und den Folgepublikationen ab 1955 führte Money „gender role“ als sozialpsychologisches Gegenstück zum anatomischen Geschlecht ein. Sein Schüler Robert Stoller ergänzte 1968 „gender identity“. Diese Begriffspaare wurden anschließend von DSM, ICD, WPATH und aktivistischen Rahmenwerken übernommen.

Das Reimer-Experiment

Am 27. April 1966 wurde der sieben Monate alte David Reimer bei einer misslungenen Elektrokauterisation schwer an seinem Penis verletzt. Money riet den Eltern, das Kind fortan als Mädchen zu erziehen. Mit 22 Monaten unterzog sich David einer Kastration und der chirurgischen Konstruktion weiblicher Genitalien. Er erhielt den Namen „Brenda“. Sein eineiiger Zwillingsbruder Brian blieb unbehandelt und diente Money als ideale natürliche Kontrollgruppe.

Die Publikation von 1972

In Man & Woman, Boy & Girl (Johns Hopkins University Press, 1972) präsentierte Money den Fall als Beweis dafür, dass Gender fast vollständig sozial erlernt sei. „Brenda“ verhalte sich völlig weiblich. Die New York Times nannte das Werk das bedeutendste der Sozialwissenschaften seit den Kinsey-Berichten. Auf diesem einen Fall gründete die wissenschaftliche Anerkennung der Gender-Lehre.

Der sexuelle Missbrauch

Money verlangte jährliche Besuche von David und Brian. Dabei ließ er die Zwillinge — auf dem Höhepunkt sechs bis acht Jahre alt — sich ausziehen, gegenseitig die Genitalien inspizieren und sexuelle Stellungen einnehmen. Money beschrieb dies in seinen Publikationen als „childhood sexual rehearsal play“ und verteidigte es als wissenschaftlich notwendig. David sprach später in Interviews und gegenüber Colapinto davon als schwer traumatisierend.

Detransition und Aufdeckung

Mit vierzehn erfuhr David von seinem Vater die Wahrheit. Er hörte sofort auf, als Mädchen zu leben, und begann mit Testosteron, Mastektomie und Phalloplastik. 1997 veröffentlichten Milton Diamond und Keith Sigmundson Sex reassignment at birth in Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine. Darin wurde unumstößlich dokumentiert, dass David nie als Mädchen funktioniert hatte und dass Money das Scheitern jahrelang verheimlicht hatte. John Colapinto rekonstruierte den Fall in As Nature Made Him (2000). Money veröffentlichte bis zu seinem Tod 2006 keine Richtigstellung.

Todesfälle

Vor seinem einundzwanzigsten Lebensjahr unternahm David Reimer zwei Suizidversuche. Sein Zwillingsbruder Brian Reimer entwickelte eine Schizophrenie und starb 2002 an einer Überdosis Antidepressiva. David Reimer nahm sich am 4. Mai 2004 im Alter von 38 Jahren das Leben.

Nachwirkung

Moneys Kernprämisse — Gender als sozial formbares Phänomen, mit dem Körper als Korrekturziel — bildet die theoretische Grundlage von: dem heutigen Begriff „gender identity“, den WPATH Standards of Care (seit 1979), dem Niederländischen Protokoll (Cohen-Kettenis, 1990er Jahre), Pubertätsblockern bei Minderjährigen und dem Rechtskonzept „Geschlecht per Selbsterklärung“. Keine dieser späteren Entwicklungen hat Moneys Prämisse empirisch nachträglich belegt. Die Cass Review (2024), NICE (2020, 2021), SBU (Schweden, 2022) und COHERE (Finnland, 2020) kommen zu dem Schluss, dass die Evidenzbasis für die medizinische Transitionsbehandlung bei Minderjährigen schwach ist.

Weitere Fallgeschichten

Der Fall Reimer war nicht das einzige Versagen. Money behandelte mehrere Kinder mit DSD (Disorders of Sex Development) nach demselben Protokoll — frühe Kastration oder Klitorektomie und soziale Zuweisung zum anderen Geschlecht. Ein erheblicher Teil dieser Patienten nahm im Erwachsenenalter das ursprüngliche Geschlecht wieder an oder litt unter schweren psychischen Beschwerden. Money veröffentlichte hauptsächlich über seine vermeintlichen Erfolge.

Quellen

  1. Diamond M, Sigmundson HK. Sex reassignment at birth: long-term review and clinical implications. Arch Pediatr Adolesc Med. 1997;151(3):298-304.
  2. Colapinto J. As Nature Made Him: The Boy Who Was Raised as a Girl. New York: HarperCollins; 2000.
  3. Money J, Ehrhardt AA. Man & Woman, Boy & Girl. Baltimore: Johns Hopkins University Press; 1972.
  4. Money J. Gender: history, theory and usage of the term in sexology and its relationship to nature/nurture. J Sex Marital Ther. 1985;11(2):71-79.
  5. Cass H. Independent Review of Gender Identity Services for Children and Young People: Final Report. London: NHS England; 2024.
  6. Biggs M. The Dutch Protocol for Juvenile Transsexuals: Origins and Evidence. J Sex Marital Ther. 2023;49(4):348-368.

Zuletzt überarbeitet am 23. Mai 2026