Home › Wissenschaft & Debatte › Edward Jansen
Jesaja 5,20 als Spiegel — die große Verwechslung in der Genderdebatte
Von Edward Jansen — 13. Juni 2026
Manchmal liefert ein alter Text die schärfste Diagnose einer modernen Frage. Jesaja 5,20: „Wehe denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus bitter süß und aus süß bitter machen.“ Wer heute auf die niederländische Genderdebatte blickt, kommt an dieser Zeile kaum vorbei — auch wenn er selbst nicht kirchlich ist. Für die ausführliche biblische Analyse verweise ich auf gendersekte.nl; der Text unten gibt den säkularen Kern wieder.
Was die Zeile leistet
Jesaja diagnostiziert keine bestimmte Untat. Er beschreibt einen Zustand: eine Gesellschaft, in der die moralischen Kategorien selbst ins Rutschen geraten. Nicht „sie tun etwas Falsches“ — sondern „sie können den Unterschied zwischen falsch und gut nicht mehr benennen“. Das ist ein anderes Problem. Es hört nicht durch bessere Argumente auf. Es hört erst auf, wenn die Wörter ihre Arbeit wieder tun dürfen.
Fünf Beispiele für Verschiebung
Eine Mastektomie an einer Fünfzehnjährigen heißt Fürsorge; ein Gespräch mit ihr über das Abwarten heißt Konversion. Ein Elternteil, das um Zeit bittet, ist transphob; ein Elternteil, das auf jede Bestätigungsfrage sofort Ja sagt, hat „ein sicheres Kind“. „Frau“ wird durch die Politik zu „Mensch mit Gebärmutter“ umgedeutet — und der Begriff „Frau“ selbst gerät in Verdacht. Ein Biologielehrer, der erklärt, was eine Eizelle ist, erhält über eine Unterrichtsmappe einer Interessenorganisation eine Korrektur. Das Gesetz über Konversionshandlungen kriminalisiert die Feder und lässt das Messer unangetastet.
An jeder dieser Stellen ist derselbe Mechanismus am Werk: Was schadet, heißt Fürsorge; was Fürsorge ist, heißt Schaden.
Was eine ältere Brille hinzufügt
Die moderne Analyse spricht von „definitorischer Inkohärenz“ oder „kategorialer Drift“. Jesaja sprach dieselbe Diagnose in einem handlicheren Satz aus. Nicht weil die Schrift Autorität haben müsste — für den, der sie nicht so liest, ist das kein Argument — sondern weil ein Muster, das schon 700 vor Christus erkannt wurde, offenbar keine Modeerscheinung ist. Es ist eine Form, die sich immer wieder aufs Neue meldet. Wir haben sie jetzt, und wir tun gut daran, sie zu benennen.
Quelle
Edward Jansen, Die große Verwechslung — Jesaja 5,20 und die Genderdebatte, gendersekte.nl, 13. Juni 2026. Die ausführliche biblische Analyse mit Genesis, Römer 1, Matthäus 18 und Hesekiel 33 als weiteren Schichten. gendersekte.nl/artikelen/grote-verwisseling-jesaja-genderdebat.