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Bigender

'Bigender' ist ein online entstandenes Identitätslabel, das anzeigt, dass jemand zwei Gender gleichzeitig oder abwechselnd zu erleben angibt — meist Mann und Frau, mitunter eine andere Kombination. Der Begriff fällt gewöhnlich unter nicht-binär und wird meist von genderfluid dadurch unterschieden, dass es speziell um zwei Identitäten gehen soll.

Was beinhaltet das Label?

Laut Selbstbeschreibungen wechselt eine bigender Person zwischen zwei abgegrenzten Gender-Erlebnissen oder erlebt sie gleichzeitig. Manche passen ihre Präsentation an; andere nicht. Was mit 'Gender' gemeint ist, ist in diesem Kontext ein inneres Erleben — nicht der Körper, der unverändert binär ist.

Herkunft und wissenschaftlicher Status

Bigender ist eine relativ junge, hauptsächlich online entwickelte Kategorie. Es gibt nahezu keine unabhängige klinische oder empirische Forschung, die bigender als abgegrenzte Identität validiert; der Begriff taucht vor allem in Identitätsgemeinschaften in sozialen Medien und in Selbstberichten auf. Das ist keine Verurteilung von Menschen, die das Label verwenden, aber es ist relevanter Kontext: Die akademische Grundlage fehlt weitgehend.

Kritiker:innen weisen darauf hin, dass viele als 'bigender' beschriebene Erfahrungen (abwechselnd männliche oder weibliche Kleidung, Geschmack oder Stimmung) genauso gut innerhalb eines einzelnen Geschlechts verortet werden können. Eine Frau, die mal 'Tomboy' und mal feminin ist, ist immer noch eine Frau — dafür braucht es keine eigene Identitätskategorie.

Abgrenzung zu anderen Labels

Bigender wird oft mit genderfluid verglichen. Der Unterschied — bigender soll speziell zwei Gender kennen, genderfluid ein Spektrum — ist fließend und lässt sich in der Praxis nicht scharf ziehen. Vergleichbare Labels sind trigender (drei Gender), polygender (mehrere spezifische Gender) und pangender (alle Gender). Alle fallen unter den Dachbegriff nicht-binär, einen weiten Sammelbegriff ohne eindeutigen Inhalt.

Gesellschaftlicher Kontext

In den Niederlanden gibt es keine juristische Kategorie 'bigender'. Für diejenigen, die das Label verwenden, gelten die üblichen Optionen zur Geschlechtsregistrierung. Praktische Herausforderungen — soziale Erwartungen, Pronomen, Bürokratie — sind vergleichbar mit denen rund um andere nicht-binäre Identifikationen, und im Wesentlichen Folge der Tatsache, dass die meisten Einrichtungen (zu Recht) auf der Grundlage des binären Geschlechts arbeiten.

Quellen

  • Case, K.A., Ramachandran, V.S. (2012). "Alternating gender incongruity: A new neuropsychiatric syndrome providing insight into the dynamic plasticity of brain-sex." Medical Hypotheses, 78(5). DOI
  • Richards, C. et al. (2016). "Non-binary or genderqueer genders." International Review of Psychiatry, 28(1). DOI
  • Aultman, B. (2014). "Cisgender." TSQ: Transgender Studies Quarterly, 1(1-2). DOI
  • Stock, Kathleen (2021). Material Girls. Fleet.