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Pangender

'Pangender' ist ein junges, online entstandenes Identitätslabel, bei dem jemand angibt, sich mit 'allen' oder 'vielen' Gendern zugleich zu identifizieren. Die griechische Vorsilbe 'pan-' bedeutet 'all' oder 'ganz'. Der Begriff fällt gewöhnlich unter nicht-binär und unterscheidet sich von genderfluid dadurch, dass es nicht um wechselndes, sondern um gleichzeitig umfassendes Erleben gehen soll.

Was beinhaltet das Label?

Laut Selbstbeschreibungen erlebt eine pangender Person das eigene Gender als 'umfassend': nicht auf eine oder zwei Kategorien beschränkt, sondern als Vielheit. Was 'alle Gender erleben' inhaltlich bedeuten würde — und wie das nachprüfbar wäre — ist nicht operationalisiert. Das Konzept Genderidentität ist zudem selbst bereits theoretisch und selbstberichtet; bei pangender wird diese Beschränkung noch verstärkt.

Abgrenzung zu verwandten Labels

Pangender steht strukturell neben polygender (mehrere spezifische Gender), trigender (drei Gender) und bigender (zwei Gender). Der Unterschied liegt in der Anzahl: Pangender legt 'alle' nahe, während die anderen Begriffe eine bestimmte Anzahl nennen. In der Praxis werden die Labels untereinander verwendet; eine scharfe Abgrenzung fehlt.

Herkunft und wissenschaftlicher Status

Pangender ist hauptsächlich in Online-LGBTQ+-Gemeinschaften entwickelt worden. Klinische oder empirische Forschung, die das Label als abgegrenzte Kategorie stützt, gibt es kaum. Kritiker:innen weisen darauf hin, dass die Existenz eines solchen Labels ein breiteres Problem in diesem Teilbereich zeigt: Identitätskategorien vermehren sich auf Grundlage von Selbstbeschreibungen, ohne dass klar wird, wo die Grenzen liegen oder was sie funktional beitragen.

Debatte um kulturelle Aneignung

Ein weiterer Kritikpunkt an pangender ist, dass die Behauptung, 'alle Gender zu erleben', implizit auch kulturell spezifische Genderrollen einschließt, etwa Two-Spirit, Hijra, Fa'afafine oder Muxe. Viele indigene Gemeinschaften lehnen eine solche freie Aneignung ausdrücklich ab. Eine westliche Person kann schwerlich auf bedeutungsvolle Weise 'alle' kulturellen Rollen der Welt verkörpern; die Behauptung ist insofern auch konzeptuell schwach.

Pangender in der Praxis

Menschen, die das Label verwenden, erfahren in der Praxis dieselben Herausforderungen wie andere nicht-binär-identifizierte Personen: Offizielle Dokumente kennen die Kategorie nicht, und soziale Einrichtungen funktionieren auf Grundlage des binären Geschlechts. Spezifische wissenschaftliche Forschung zu pangender als eigenständiger Kategorie fehlt.

Quellen

  • Richards, C. et al. (2016). "Non-binary or genderqueer genders." International Review of Psychiatry, 28(1). DOI
  • Aultman, B. (2014). "Cisgender." TSQ: Transgender Studies Quarterly, 1(1-2). DOI
  • Vincent, B. (2020). Non-Binary Genders: Navigating Communities, Identities, and Healthcare. Policy Press.
  • Stock, Kathleen (2021). Material Girls. Fleet.