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Genderdivers
„Genderdivers“ (englisch: „gender diverse“) ist ein Sammelbegriff für Variation in Genderempfinden, -ausdruck und -identität – alles, was von den gängigen cisgender Mann/Frau-Kategorien abweicht. Er wird von Behörden, Pflegeorganisationen und in der Forschung verwendet, um über die gesamte Gruppe zu sprechen, ohne jeden einzelnen Begriff auszuschreiben.
Was ist damit gemeint?
Unter genderdivers fallen unter anderem Transgender-Personen, nicht-binäre Personen, Menschen mit fluidem Genderempfinden, intergeschlechtliche Personen (sofern sie sich mit der breiteren Kategorie identifizieren) und in manchen Definitionen alle, die sich außerhalb gängiger Gendernormen präsentieren. Es ist ein statistischer und organisatorischer Sammelbegriff, kein Identitätslabel, das Menschen sich häufig selbst geben.
Abgrenzung und Überschneidung
Genderdivers überschneidet sich mit Begriffen wie „LGBT+“, „Transgender“ und „nicht-binär“, ist aber breiter und wird vor allem in offiziellen Dokumenten und politischen Texten verwendet. Der Begriff wird mitunter auch für Jugendliche mit gendersuchendem Verhalten gebraucht, unabhängig davon, ob eine festgelegte Identität vorliegt.
Gesellschaftlicher und praktischer Kontext
In Pflegeleitlinien, Forschung und politischen Dokumenten ist „genderdivers“ (oder die englischen Entsprechungen „gender diverse“, „TGD“ – transgender and gender diverse) zu einem gängigen Sammelbegriff geworden. Er ermöglicht es, über verschiedene Gruppen gleichzeitig zu sprechen, verdeckt aber zuweilen inhaltliche Unterschiede zwischen diesen Gruppen.
Kritische Perspektiven
Das breite Dach „genderdivers“ kann Gruppen zusammenfassen, die in der Realität sehr unterschiedliche Bedürfnisse und Ergebnisse haben. Eine 50-jährige Transfrau, ein 14-jähriges Mädchen, das sich plötzlich „nicht-binär“ nennt, und eine intergeschlechtliche Person haben wenig gemeinsam, außer dass sie nicht in eine gängige cisgender Kategorie passen. Politik, die sie als eine einzige Gruppe behandelt, wird der individuellen Situation oft nicht gerecht. Sorgfältige Differenzierung bleibt notwendig.
Quellen
- Coleman, E. et al. (2022). Standards of Care for the Health of Transgender and Gender Diverse People, Version 8. WPATH. DOI
- Rafferty, J., AAP Committee on Adolescence (2018). „Ensuring comprehensive care and support for transgender and gender-diverse children and adolescents.“ Pediatrics, 142(4). DOI
- Cass, Hilary (2024). Independent Review of Gender Identity Services for Children and Young People. NHS England. Text
- CBS (Centraal Bureau voor de Statistiek). Zahlen zu Geschlechtsidentität in den Niederlanden. cbs.nl