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Vaginoplastik
Die Vaginoplastik ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem Penis und Hoden entfernt und aus dem verbliebenen Hautgewebe eine Neovagina, Schamlippen und eine Klitorisstruktur konstruiert werden. Das Ergebnis ist keine funktionale Vagina im biologischen Sinne: Es gibt keine Gebärmutter, keine Eierstöcke, keine vaginale Befeuchtung und keine selbstreinigende Schleimhaut. Es handelt sich um eine kosmetische und funktionale Konstruktion eines Körperteils, das oberflächlich einer Vagina ähnelt, mit dauerhaften medizinischen Folgen.
Techniken
Die gängige Technik ist die Penisinversions-Vaginoplastik: Die Haut des amputierten Penis wird umgestülpt, um die Wand des neu angelegten Hohlraums auszukleiden. Bei unzureichendem Hautmaterial (zum Beispiel nach Pubertätsblockern, weil der Penis dann unterentwickelt geblieben ist) wird zusätzlich Skrotumhaut oder ein Darmsegment verwendet (Sigmoid- oder Kolon-Vaginoplastik). Ein Darmsegment liefert eine eigene Schleimproduktion, bringt jedoch Risiken mit sich: Bauchoperation, Risiko einer Darmleckage und in seltenen Fällen eine Diversionskolitis im verwendeten Darmabschnitt.
Komplikationen: konkret und teils dauerhaft
Die Komplikationsraten werden in Publikumsinformationen oft glatt gestrichen ('selten bei erfahrenen Chirurg:innen'). Die medizinische Literatur zeigt ein anderes Bild:
- Nekrose der Neoklitoris oder von Teilen des Hautlappens kommt vor und kann zu bleibendem Gefühlsverlust und kosmetischen Schäden führen.
- Strikturen und Stenosen (Verengung der Neovaginalöffnung oder des gesamten Kanals) sind eine häufige Komplikation. Die Behandlung erfordert eine erneute Chirurgie oder aggressive Dilatation.
- Fistelbildung, insbesondere rektovaginale Fisteln (Verbindungen zum Mastdarm), ist eine schwere Komplikation. Die Reparatur ist schwierig und nicht immer vollständig erfolgreich.
- Probleme der Harnwege: Meatusstenose, Inkontinenz, Spritzen beim Wasserlassen und chronische Infektionen.
- Sensibilitätsverlust: teilweise oder vollständige Verminderung des Gefühls im Genitalbereich. Die Orgasmusfähigkeit variiert; ein vollständiger Verlust kommt vor.
- Granulationsgewebe, Prolapserscheinungen, schlechte Kosmetik, chronische Schmerzen und bleibende Unzufriedenheit gehören zu den möglichen Ergebnissen.
Lebenslange Dilatationspflicht
Die Neovagina ist eine Wunde, die der Körper schließen will. Um den Kanal offen zu halten, muss die/der Patient:in lebenslang dilatieren — einen Dilatator einführen, zunächst mehrmals täglich, lebenslang reduziert bis wöchentlich. Wird die Dilatation versäumt, kann sich der Kanal binnen Wochen stark verengen oder schließen, mit erneuter Chirurgie als einziger Option. Diese lebenslange Verpflichtung wird in der Voraufklärung regelmäßig unzureichend betont. Für Menschen mit körperlichen Einschränkungen, psychischen Beschwerden oder alternden Körpern kann die Dilatation eine ernsthafte Belastung werden.
Fruchtbarkeit und Sexualität
Die Vaginoplastik macht die/den Patient:in dauerhaft steril: Nach der Orchiektomie werden keine Samenzellen mehr produziert. Ein eventueller Kinderwunsch erfordert ein vorheriges Einfrieren von Sperma — was durch frühere Hormonbehandlung womöglich bereits vermindert oder unmöglich ist. Die sexuelle Funktion verändert sich tiefgreifend. Penetrativer Sex aus der Neovagina ist möglich, aber nicht vergleichbar mit cisweiblichem Sex: Es gibt keine natürliche Befeuchtung, Gleitmittel ist immer nötig, und die Empfindlichkeit hängt stark vom chirurgischen Ergebnis ab.
Irreversibel
Der Eingriff ist vollständig irreversibel. Eine Rekonstruktion der männlichen Genitalien nach einer Vaginoplastik ist kaum möglich; Detransitionierte, die diesen Eingriff hatten, leben mit den Folgen. Er ist, zusammen mit der Phalloplastik, einer der definitivsten medizinischen Eingriffe, die die moderne Medizin kennt.
Voraussetzungen in den Niederlanden
Der Eingriff wird in den Niederlanden im Amsterdam UMC durchgeführt. Voraussetzungen sind in der Regel eine Diagnose, mindestens ein Jahr hormonelle Behandlung und eine stabile Situation. Die Erstattung erfolgt über die Grundversicherung. Die Wartezeiten sind lang. Siehe auch Wartezeiten und Versorgungsweg, Detransition und Cass Review.