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Hormontherapie

Bei Genderbehandlungen werden gegengeschlechtliche Geschlechtshormone verabreicht, um den Körper in Richtung des anderen Geschlechts zu verändern. Das ist keine Ergänzung eines Mangels wie bei endokrinen Erkrankungen, sondern eine pharmakologische Umstellung eines gesunden Hormonsystems. Die Folgen sind tiefgreifend, teils irreversibel, und eine lebenslange Medikation ist in nahezu allen Fällen erforderlich.

Feminisierende Hormontherapie

Transfrauen und manche nicht-binäre Personen erhalten Östrogen, meist in Kombination mit einem Antiandrogen (Cyproteronacetat, Bicalutamid oder Spironolacton) zur Unterdrückung des Testosterons. Folgen sind unter anderem Brustbildung, Fettumverteilung, Verminderung der Muskelmasse, Abnahme der erektilen Funktion und der Samenproduktion. Stimme und Skelett verändern sich nicht mehr; Körpergröße, Schulterbreite und Hände bleiben männlich.

Brustbildung und Schäden an Samenzellen können dauerhaft sein. Nach Entfernung der Hoden (Orchiektomie) ist eine lebenslange Östrogensubstitution erforderlich, um Knochenverlust und andere Folgen eines hormonlosen Zustands zu verhindern.

Maskulinisierende Hormontherapie

Transmänner erhalten Testosteron per Injektion, Gel oder Pflaster. Die Stimme vertieft sich, die Behaarung an Gesicht und Körper nimmt zu, die Klitoris vergrößert sich, die Menstruation hört meist auf, die Fettverteilung verschiebt sich und die Muskelmasse nimmt zu. Stimmvertiefung, Behaarung und Klitorisvergrößerung sind dauerhaft. Brustgewebe verschwindet durch Testosteron nicht; dafür ist eine Mastektomie nötig.

Bei langfristiger Anwendung kann die körpereigene Geschlechtshormonproduktion abnehmen oder aufhören. Nach Entfernung der Eierstöcke ist eine lebenslange Testosteronsubstitution nötig.

Indikation und Zugang

In den Niederlanden beginnt die Hormontherapie bei Erwachsenen nach einem diagnostischen Verfahren in einem spezialisierten Zentrum (Amsterdam UMC, Radboudumc). Durch enorme Wartezeiten und die Ausweitung über hausarztgesteuerte Versorgung und ausländische Anbieter ist das diagnostische Vorverfahren in der Praxis mitunter eingeschränkt. Selbstmedikation über das Internet kommt vor und ist medizinisch riskant. Siehe Wartezeiten und Versorgungsweg.

Wirksamkeit: was wir wissen — und was nicht

Studien zum psychischen Wohlbefinden nach Hormontherapie zeigen auf Gruppenebene oft positive Ergebnisse, doch die methodische Qualität ist durchweg schwach: kleine Gruppen, kurze Nachbeobachtung, hohe Abbruchraten, keine Kontrollgruppen und Ergebnisparameter, die stark auf Selbstauskunft einer motivierten Gruppe beruhen.

Der Cass Review (2024) bewertete nahezu alle Belege für Hormontherapie bei Jugendlichen als 'low' oder 'very low quality'. Vergleichbare Schlüsse zogen die schwedische SBU und das finnische COHERE. Für Erwachsene ist die Evidenz etwas robuster, doch Langzeitstudien (>10-20 Jahre) sind spärlich. Das ist medizinisch ungewöhnlich für eine Behandlung, die in der Praxis lebenslang fortgeführt wird.

Risiken

Östrogen erhöht das Thromboserisiko (vor allem oral), beeinflusst das kardiovaskuläre Risikoprofil, kann die Leberfunktion belasten und ist bei Langzeitanwendung möglicherweise mit Brustkrebs verknüpft. Cyproteronacetat ist mit Meningeom assoziiert. Testosteron verursacht Erythrozytose (erhöht das Thromboserisiko), kann das Cholesterinprofil ungünstig beeinflussen und führt zu vaginaler Atrophie. Für beide Hormone gilt: lebenslange Dosierung, lebenslange Überwachung. Siehe Nebenwirkungen der Hormontherapie.

Internationale politische Wende

Schweden, Finnland, Norwegen, Dänemark und das Vereinigte Königreich haben seit 2020 den Zugang zu Hormonen für Minderjährige verschärft oder auf Forschungsrahmen beschränkt. Sie stützen sich auf systematische Evidenz-Reviews, die zu dem Schluss kommen, dass die Nutzen bei Jugendlichen unzureichend belegt seien, um die Risiken zu rechtfertigen. Die Niederlande haben eine vergleichbare Evaluation noch nicht veröffentlicht.