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Xenogender

'Xenogender' (vom griechischen 'xenos', fremd) ist ein Oberlabel für Genderidentitäten, die laut dem Träger nicht über menschliche Mann/Frau-Kategorien zu erklären sind, sondern über nicht-menschliche Metaphern: Tiere, Pflanzen, Farben, Geräusche, abstrakte Formen oder sogar fiktive Objekte. Der Begriff entstand 2014 auf Tumblr und kursiert seitdem in sehr spezifischen Online-Subkulturen.

Was ist damit gemeint?

Beispiele für Xenogender sind 'catgender' (Gendergefühl ausgedrückt über Katzen), 'starlightgender' (über Sternenlicht) oder 'voidgender' (über Leere). Der Träger behauptet, das eigene Gendergefühl lasse sich am besten über eine solche Metapher benennen. Manche verknüpfen es mit dem Neurodivergenz-Spektrum: Das Label sei für Menschen mit Autismus eine Möglichkeit, inneres Erleben in Bildern auszudrücken.

Unterscheidung und Überlappung

Xenogender fällt formal unter non-binär, ist aber dessen exotischster Zweig. Die Entfernung zu klassischen Begriffen wie transgender oder agender ist erheblich, und die meisten non-binären Personen erkennen sich nicht in Xenogendern wieder.

Gesellschaftlicher und praktischer Kontext

Xenogender spielt außerhalb sehr spezifischer Online-Gruppen überhaupt keine Rolle. Auf formellen Dokumenten kommt es nicht vor, in der medizinischen Literatur auch nicht. Pronomen ('Neopronomen' wie 'bun/bunself' oder 'fae/faeself') sind oft ebenso idiosynkratisch wie das Label selbst.

Kritische Perspektiven

Xenogender ist die Ecke des Identitätsdiskurses, in der der Unterschied zwischen 'Erleben' und 'Kategorie' am schärfsten sichtbar wird. Kritiker — darunter viele Transgender-Personen selbst — weisen darauf hin, dass solche Labels die breitere Sache der Gendervariation untergraben, indem sie Identität vollständig von gemeinsamer menschlicher Erfahrung entkoppeln. Wer das Label aus dem autistischen Kontext erkennt, beschreibt oft etwas Reales (eine ungewöhnliche Art, sich selbst zu verstehen), aber es ist fraglich, ob 'Gender' dafür die richtige Sprache ist.

Quellen

  • Kaltiala, R., Sumia, M., Työläjärvi, M., Lindberg, N. (2015). "Two years of gender identity service for minors: overrepresentation of natal girls with severe problems in adolescent development." Child and Adolescent Psychiatry and Mental Health, 9. DOI
  • Strang, J.F. et al. (2018). "Initial clinical guidelines for co-occurring autism spectrum disorder and gender dysphoria or incongruence in adolescents." Journal of Clinical Child and Adolescent Psychology, 47(1). DOI
  • Shrier, Abigail (2020). Irreversible Damage. Regnery.
  • Tumblr-Archiv 'Baaphomett' (2014): frühe veröffentlichte Definitionen von 'xenogender'.