FTM
'FTM' steht für 'female-to-male' und beschreibt eine Person mit weiblichem Geburtsgeschlecht, die eine Transition in männliche Richtung durchlaufen hat oder durchläuft. Die Abkürzung stammt aus der englischsprachigen medizinischen Literatur und ist seit Jahrzehnten an Genderambulanzen und in Selbstorganisationen gebräuchlich.
Was ist damit gemeint?
FTM verweist in der Regel auf eine vollständige soziale und/oder medizinische Transition von Frau zu Mann: Pronomen, Kleidung, soziale Rolle und — bei medizinischer Transition — Testosteron, Mastektomie und manchmal Phalloplastik.
Unterscheidung und Überlappung
FTM und transmaskulin überlappen, sind aber nicht identisch. FTM impliziert vollständige Transition zum Mann; transmaskulin ist jünger, breiter und schließt non-binäre AFAB-Wege ein. 'Transgender-Mann' ist im öffentlichen Sprachgebrauch gängig; FTM wird manchmal als 'klinisch' empfunden.
Gesellschaftlicher und praktischer Kontext
Die Abkürzung FTM kommt in medizinischen Akten, Forschung und Formularen vor. Für FTM-Personen gelten bei medizinischen Wegen die üblichen Überlegungen zu Nebenwirkungen von Hormonen, Fertilität und der Art chirurgischer Eingriffe — die bei FTM erheblich einschneidender und komplexer sind als bei MTF.
Kritische Perspektiven
Der Anstieg der FTM-Anträge seit etwa 2015, vor allem unter Jugendlichen, ist auffällig. Forscher haben auf Faktoren wie sozialen Einfluss, Online-Medien, komorbide Problematik (Autismus, Essstörungen, Depression) und internalisierten Sexismus bei Mädchen hingewiesen — siehe auch den Cass Review. Eine ehrliche Differentialabwägung ist für diese Gruppe besonders wichtig, weil die medizinischen Schritte (vor allem Phalloplastik) lebenslange Folgen haben.
Quellen
- Hembree, W.C. et al. (2017). "Endocrine Treatment of Gender-Dysphoric/Gender-Incongruent Persons." JCEM, 102(11). DOI
- Cass, Hilary (2024). Independent Review of Gender Identity Services for Children and Young People. NHS England. Text
- Littman, L. (2018). "Parent reports of adolescents and young adults perceived to show signs of a rapid onset of gender dysphoria." PLOS ONE, 13(8). DOI
- Kaltiala, R. et al. (2015). "Two years of gender identity service for minors: overrepresentation of natal girls with severe problems in adolescent development." CAPMH, 9. DOI
- Shrier, Abigail (2020). Irreversible Damage. Regnery.