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Transfeminin
'Transfeminin' (englisch: 'transfeminine') ist ein Sammelbegriff für Personen mit einem männlichen Geburtsgeschlecht (AMAB), die sich in feminine Richtung begeben — in Identität, Ausdruck, sozialem Auftreten oder medizinischer Transition. Das Label ist breiter als Transgender-Frau: Auch non-binäre AMAB-Personen, die sich in Richtung des Weiblichen bewegen, fallen in der Regel darunter.
Was ist damit gemeint?
Transfeminin beschreibt eine Richtung, nicht zwangsläufig einen Endpunkt. Jemand kann transfeminin sein, ohne sich vollständig als 'Frau' zu bezeichnen oder medizinisch zu transitionieren. Unter den Oberbegriff fallen unter anderem trans Frauen, manche non-binäre AMAB-Personen und Menschen, die Östrogen verwenden oder feminisierende Eingriffe erwägen, ohne sich als Frau zu identifizieren.
Unterscheidung und Überlappung
Der Begriff überlappt mit MTF ('male-to-female'), der älter und spezifischer für eine vollständige Transition ist. Transfeminin ist jünger, breiter und schließt non-binäre Wege ein. Demigirl kann eine spezifische Ausprägung sein.
Gesellschaftlicher und praktischer Kontext
Bei transfemininen Wegen gelten die üblichen Überlegungen zu Hormonen und Chirurgie: einschneidend, teils irreversibel und mit Auswirkungen auf die Fertilität. Östrogen hat bei erwachsenen Männern erhebliche Nebenwirkungen; bei Vaginoplastik und Gesichtsoperationen (FFS) gelten dauerhafte Folgen. Im Sport und an frauenspezifischen Orten spielt die Unterscheidung zwischen biologischem und rechtlichem Geschlecht eine Rolle — siehe Gender und Sport.
Kritische Perspektiven
Bei AMAB-Wegen gibt es mindestens zwei Untergruppen: Dysphorie mit frühem Beginn (ab der Kindheit) und Dysphorie mit spätem Beginn (nach der Pubertät, manchmal anfangs mit Autogynephilie verbunden, wie von Blanchard beschrieben). Beide Gruppen haben unterschiedliche klinische Profile und Ergebnisse; sie werden im aktuellen Diskurs selten unterschieden. Eine gründliche Differentialabwägung ist essenziell.
Quellen
- Blanchard, R. (1989). "The classification and labeling of nonhomosexual gender dysphorias." Archives of Sexual Behavior, 18(4). DOI
- Bailey, J.M. (2003). The Man Who Would Be Queen: The Science of Gender-Bending and Transsexualism. Joseph Henry Press.
- Hembree, W.C. et al. (2017). "Endocrine Treatment of Gender-Dysphoric/Gender-Incongruent Persons." JCEM, 102(11). DOI
- Coleman, E. et al. (2022). WPATH Standards of Care, Version 8. DOI
- Dhejne, C. et al. (2011). "Long-term follow-up of transsexual persons undergoing sex reassignment surgery." PLOS ONE, 6(2). PubMed
- Joyce, Helen (2021). Trans: When Ideology Meets Reality. Oneworld.