Ballroom-Kultur und trans

Die Ballroom-Kultur entstand in den sechziger und siebziger Jahren in New York innerhalb schwarzer und lateinamerikanischer LSBTI-Gemeinschaften, teilweise als Reaktion auf den Ausschluss aus regulären Drag-Wettbewerben.
Entstehung
Die Ballroom-Kultur entstand in den sechziger und siebziger Jahren in New York innerhalb schwarzer und lateinamerikanischer LSBTI-Gemeinschaften, teilweise als Reaktion auf den Ausschluss aus regulären Drag-Wettbewerben. Im Mittelpunkt stehen „Balls“, bei denen die Teilnehmenden in Kategorien rund um Mode, Performance und Auftreten gegeneinander antreten.
Houses
Die Teilnehmenden organisieren sich in „Houses“ – Wahlfamilien unter der Leitung einer House Mother oder eines House Fathers –, die für ausgestoßene Jugendliche auch als soziale und manchmal tatsächliche Familie fungieren.
Trans Personen in der Ballroom-Kultur
Viele Ikonen der Szene sind Transfrauen of Color. Der Dokumentarfilm „Paris Is Burning“ (1990) und die Fernsehserie „Pose“ (2018) machten die Kultur einem breiten Publikum bekannt. Beide Werke dokumentieren auch die hohe Sterblichkeit in der Gemeinschaft durch Gewalt und AIDS.
Von Harlem in die breite Öffentlichkeit
Als Beginn der modernen Szene gilt die Gründung des House of LaBeija im Jahr 1972 durch Crystal LaBeija, die einige Jahre zuvor aus Protest einen Drag-Wettbewerb verlassen hatte, weil sie sich als schwarze Teilnehmerin benachteiligt fühlte. Aus den Balls entwickelte sich Voguing, ein Tanzstil mit Posen, die der Modefotografie entlehnt sind. Madonna machte diesen Stil 1990 mit dem Song Vogue weltweit bekannt. Im selben Jahr erschien Jennie Livingstons Dokumentarfilm Paris Is Burning.
Kategorien und Realness
Bei einem Ball treten die Teilnehmenden in Kategorien an, die von einer Jury bewertet werden. In einigen geht es um Tanz und Mode. Andere drehen sich um Realness: die Frage, wie überzeugend jemand beispielsweise als Geschäftsmann, Student oder Frau durchgeht. Für Teilnehmende, die außerhalb des Saals mit Ablehnung und Gewalt konfrontiert waren, war das mehr als ein Spiel. Wer auf der Straße nicht auffiel, war sicherer. Die Kategorien sagen damit auch etwas über die Welt aus, in der die Szene entstand.
Bedeutung für die Debatte
Die Ballroom-Kultur wird oft als Beispiel für eine Gemeinschaft angeführt, in der Menschen mit unterschiedlichen Identitäten einander auffingen – lange bevor es dafür politische Maßnahmen oder Unterstützungsangebote gab. Die Szene war eine Antwort auf Armut, Rassismus und den Ausschluss aus der Familie und entstand unabhängig von der medizinischen Welt. Das unterscheidet sie von der heutigen Debatte über die Behandlung von Jugendlichen. Inzwischen gibt es auch in europäischen Städten Houses und Balls, unter anderem in Amsterdam und Rotterdam. Siehe auch Drag und transgender, Repräsentation in den Medien und Trans Personen in der Geschichte.
Quellen
Transgender Europe (TGEU) – Trans Rights Map. tgeu.org