Lisa Littman
Lisa Littman ist eine US-amerikanische Ärztin und Forscherin. Bekannt wurde sie durch einen 2018 veröffentlichten Artikel in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift PLOS One, als sie an der Brown University tätig war. Darin beschrieb sie erstmals, was sie Rapid-Onset-Genderdysphorie nannte.
Der zentrale Artikel zu diesem Thema ist Littman 2018 — Rapid-Onset Gender Dysphoria.
Worum es geht
Littman ließ Eltern einen Fragebogen zu Kindern ausfüllen, bei denen die Geschlechtsdysphorie ihrer Einschätzung nach plötzlich während oder nach der Pubertät begonnen hatte. Auf Grundlage der Antworten vermutete sie, dass Freundesgruppen und das Internet dabei eine Rolle spielen könnten. Später veröffentlichte sie auch eine Studie mit Menschen, die ihre Transition rückgängig gemacht hatten.
Rezeption und Kritik
Der Artikel stieß sofort auf viel Kritik, vor allem weil ausschließlich Eltern befragt worden waren und diese über Websites rekrutiert wurden, auf denen sich besorgte Eltern versammelten. PLOS One ließ den Beitrag erneut begutachten und veröffentlichte 2019 eine korrigierte Fassung. Darin wird klargestellt, dass es sich um Beobachtungen von Eltern und nicht um eine anerkannte Diagnose handelt. Große Fachverbände erkennen den Begriff nicht an und raten von seiner Verwendung im Gesundheitswesen ab. Die Hypothese bleibt dennoch ein fester Bestandteil der wissenschaftlichen Debatte.
Hintergrund und Aufbau der Studie
Littman hatte zuvor keine Forschung zur Geschlechtsdysphorie veröffentlicht. Anlass war ihre Beobachtung, dass sich mehrere Jugendliche aus derselben Freundesgruppe kurz nacheinander als transgender identifizierten. Der Fragebogen war vom 29. Juni bis zum 12. Oktober 2016 zugänglich und lieferte 256 verwertbare Antworten. Der Aufruf wurde auf drei Websites veröffentlicht: 4thWaveNow, Transgender Trend und Youth Trans Critical Professionals. Die ethische Prüfung erfolgte an der Icahn School of Medicine at Mount Sinai, und Littman erhielt für die Studie keine spezifische Finanzierung. Die Zahlen finden sich im Archivbeitrag über den Artikel selbst.
Nach der Veröffentlichung
Innerhalb von zwei Wochen nach der Veröffentlichung kündigte PLOS One eine erneute Begutachtung an. Die Brown University entfernte noch am selben Tag die Pressemitteilung über die Studie von ihrer Website. In der korrigierten Fassung vom 19. März 2019 wurden Titel, Zusammenfassung, Einleitung, Diskussion und Schlussfolgerung neu formuliert; die Ergebnisse blieben unverändert. Der Fachverband WPATH erklärte im September 2018, dass der Begriff von keinem Fachverband anerkannt werde. Eine kanadische Studie von Bauer und Kollegen mit 173 Jugendlichen fand 2021 keine Hinweise auf ein eigenständiges klinisches Phänomen. Littman erwiderte, dass die Studie eine unzutreffende Definition verwendet habe. Seit Januar 2021 ist sie Vorsitzende des Institute for Comprehensive Gender Dysphoria Research. Auf ihrer eigenen Website heißt es, dass der Begriff keine formale Diagnose darstellt und die Unterstützung für die Hypothese seit 2018 zugenommen habe. 2026 stellte der klinische Psychologe Kenneth Zucker die Beweislage erneut zusammen; siehe die Besprechung dieser Studie. Ihre späteren Forschungen knüpfen an das Thema Detransition an.