Vorsitzende der US-amerikanischen ACOG-Sektion tritt nach Kritik an den WPATH-Richtlinien zurück

Eine US-amerikanische Gynäkologin, die jahrelang geschlechtsangleichende Operationen durchführte, musste im März 2026 eine Entscheidung treffen: über ihre Kritik an den WPATH-Richtlinien schweigen oder ihr Amt im Vorstand aufgeben. Sie entschied sich für Letzteres — und erklärt seither in der US-Presse, warum.
Von der Anwenderin zur Kritikerin
Dr. Karla Solheim ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, bekennende lesbische Demokratin und Mutter. Etwa anderthalb Jahre lang war sie Vorsitzende der Sektion Iowa des American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG), wo sie sich vor allem für einen besseren Zugang zur Frauenmedizin auf dem Land einsetzte. Bis 2023 führte sie selbst geschlechtsangleichende Hysterektomien durch — in dem uneingeschränkten Vertrauen, wie sie später selbst schilderte, dass die Richtlinien, auf denen diese Eingriffe beruhten, auf soliden wissenschaftlichen Erkenntnissen basierten.
Dieses Vertrauen schwand, als sie begann, die zugrunde liegende Literatur und interne Dokumente der WPATH (World Professional Association for Transgender Health) zu prüfen. Was die 2024 geleakten WPATH-Nachrichten über die Zweifel von Klinikern zeigten, ist auf transtijd.nl beschrieben. Ihr Fazit fiel deutlich aus: Die Forschung, auf der die Richtlinien beruhen, sei ihrer Einschätzung nach nicht nur schwach, sondern geradezu betrügerisch. Eine belastbare Grundlage für die langfristigen Vorteile dieser Behandlungen gebe es ihrer Ansicht nach nicht — während die Irreversibilität der Eingriffe feststehe.
Ein Ultimatum des eigenen Berufsverbands
Im Dezember 2025 legte Solheim ihre Einwände in einem Essay mit dem Titel „Physicians Must Demand Answers from WPATH“ dar, der auf ihrem eigenen Substack veröffentlicht wurde. Die Reaktion des ACOG ließ nicht lange auf sich warten. Am 4. Februar 2026 teilte ihr die stellvertretende Vorsitzende Rachel Pittman per E-Mail mit, der Beitrag habe „Bedenken ausgelöst“ — insbesondere, weil Solheim öffentlich ihr Missfallen darüber geäußert hatte, wie der ACOG die WPATH-Richtlinien in seine eigene klinische Beratung übernommen hatte.
Am 10. März 2026 folgte ein Gespräch, in dem Pittman sie vor die Wahl stellte: ihre Kritik an WPATH einzustellen oder als Sektionsvorsitzende zurückzutreten. Solheim entschied sich für Letzteres. Anschließend machte sie ihre Geschichte in einem Essay für The Free Press öffentlich, unter dem Titel „My Medical Association Silenced My Views on Gender Treatment“ — ein Beitrag, der im US-amerikanischen Gesundheitswesen für erhebliches Aufsehen sorgte.
Was ihr Fall in einem größeren Zusammenhang zeigt
Solheim ist nicht die erste Ärztin, die nach Kritik an WPATH mit ihrem eigenen Berufsverband aneinandergerät, doch ihr Profil macht es schwierig, den Fall als politisch motiviert abzutun: Sie bezeichnet sich ausdrücklich als Demokratin und lesbisch und führte die Eingriffe, die sie nun kritisiert, jahrelang selbst durch. Gerade deshalb, so argumentiert sie, verdiene ihre Botschaft Gehör: Wenn maßgebliche medizinische Institutionen berechtigte Bedenken kategorisch zurückweisen, anstatt sie inhaltlich zu widerlegen, untergräbt das langfristig das Vertrauen in den gesamten Berufsstand — nicht nur in diesem einen Bereich.
Ihr Fall reiht sich in eine Reihe ähnlicher Berichte US-amerikanischer Ärzte und Pflegekräfte ein, die in den vergangenen Jahren mit Kritik an der wissenschaftlichen Grundlage der geschlechtsangleichenden Versorgung an die Öffentlichkeit gingen — sowohl bei Minderjährigen als auch bei Erwachsenen. Warum die Evidenz hinter der WPATH-Richtlinie als schwach bewertet wird, ist auf wpath.nl ausführlich dargelegt. Für die Berufsverbände selbst — allen voran den ACOG — bleibt die von Solheim aufgeworfene Frage unbeantwortet: Wenn die Kritik unberechtigt ist, warum wird sie dann nicht inhaltlich widerlegt, anstatt die Kritikerin vor die Tür zu setzen?
Edward Jansen
Redaktion Genderinfo.nl
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