Genderinfo.nl
Aktuelles

Gender detransition: A critical review of the literature (PMC, 2023)

Geschlechtsdetransition: Eine kritische Literaturübersicht ist eine systematische Literaturstudie von Pablo Expósito-Campos, Karmele Salaberria, José Ignacio Pérez-Fernández und Esther Gómez-Gil. Der Artikel erschien 2023 in der Fachzeitschrift Actas Españolas de Psiquiatría und ist über PubMed Central frei zugänglich.

Die Autoren durchsuchten sieben Datenbanken nach Veröffentlichungen aus dem Zeitraum von 2010 bis einschließlich 2022. Sie nahmen 138 Dokumente auf, von denen 37 Prozent empirische Forschungsarbeiten waren. Mehr als ein Drittel aller Veröffentlichungen stammt aus dem Jahr 2021.

Wichtigste Punkte

Für D eintrans ition sind mindestens acht verschiedene Begriffe gebräuchlich, mit unterschiedlichen Definitionen. Die berichtete Prävalenz hängt von den verwendeten Kriterien ab. Das Beenden medizinischer Versorgung oder Behandlung kommt häufiger vor (1,9 bis 29,8 Prozent) als Reue oder Detransition (0 bis 13,1 Prozent). Reue oder Detransition wird nach einer Operation seltener berichtet (0 bis 2,4 Prozent) als nach einer Hormonbehandlung (0 bis 9,8 Prozent). Die Studie beschreibt mehr als fünfzig psychologische, medizinische und soziokulturelle Faktoren, die eine Rolle spielen, sowie sechzehn mögliche Prädiktoren, von denen viele noch nicht empirisch überprüft wurden. Leitlinien für die Versorgung oder die rechtliche Bearbeitung fanden die Autoren nicht.

Warum Menschen aufhören

Die Autoren unterteilen die genannten Gründe nach ihrer Art. Zu den psychologischen Faktoren gehören unter anderem Zweifel an der eigenen Identität, nicht erfüllte Erwartungen, psychische Probleme, die sich nach der Transition nicht verbesserten, sowie die Erkenntnis, dass das Unwohlsein eine andere Ursache hatte, etwa ein Trauma. Medizinische Faktoren sind gesundheitliche Beschwerden, Nebenwirkungen, Sorgen um die Fruchtbarkeit und enttäuschende Operationsergebnisse. Soziale Faktoren sind fehlende Unterstützung, Diskriminierung, der Verlust von Beziehungen und Geldmangel. Detransition bedeutet also nicht immer, dass sich eine Person nicht mehr als transgeschlechtlich empfindet; die Studie unterscheidet daher zwischen Detransition mit und ohne Veränderung der Identität. Menschen, die aufhören, berichten häufig von Depressionen und Angstzuständen und benötigen medizinische Informationen, psychologische Begleitung und Kontakt zu Gleichgesinnten, wie sie etwa online in der Detrans Community zu finden sind.

Einschränkungen und Empfehlungen

Die Autoren weisen selbst auf Schwachstellen der Evidenz hin. Viele Studien beobachten Menschen nur ein bis zwei Jahre lang, während Forschungsarbeiten aus Schweden, Spanien und den Niederlanden Detransition vier bis 23 Jahre nach Beginn der medizinischen Transition beschreiben. Die Ausfallquote ist hoch: 36 Prozent in einer niederländischen Studie und mehr als 40 Prozent in anderen Studien. In einer Umfrage von Lisa Littman hatten 76 Prozent der Teilnehmenden den ursprünglichen Behandler nicht informiert. Die Autoren verwendeten keine strengen Auswahlkriterien und gewichteten die Beiträge nicht nach ihrer Qualität. Sie nennen außerdem das Risiko, dass Detransition dazu verwendet wird, die Legitimität transgeschlechtlicher Identitäten infrage zu stellen. Sie empfehlen, vor einer medizinischen Behandlung eine gründliche psychologische Einschätzung vorzunehmen, Detransition bei der Aufklärung über die Einwilligung zu thematisieren und systematisch Daten zu erheben.

Warum in diesem Archiv

Die Autoren bezeichnen Detransition als komplex, heterogen und noch unzureichend verstanden. Der Überblick ist damit ein nützlicher Ausgangspunkt im Bereich Wissenschaft und Debatte.

Zur Quelle

Quellen