Demi-Gender

„Demi-Gender“ ist ein online entstandenes Identitätslabel, mit dem jemand ausdrückt, sich „teilweise“ mit einem bestimmten Geschlecht zu identifizieren. Das lateinische „demi-“ bedeutet „halb“. Bekannte Varianten sind Demiboy (teilweise Mann/Junge) und Demigirl (teilweise Frau/Mädchen). Der Begriff wird meist dem nichtbinären Spektrum zugeordnet.
Was bedeutet dieses Label?
Selbstbeschreibungen zufolge identifiziert sich eine demi-gender Person „zum Teil“ mit einer Geschlechtskategorie – zum Beispiel „zur Hälfte“ als Mann –, während der andere Teil ein anderes Geschlecht, Geschlechtslosigkeit oder ein nicht näher definierbares Erleben sein soll. Was es inhaltlich bedeutet, „zur Hälfte ein Mann“ zu sein – und wie sich eine solche Aufteilung begründen ließe –, wird in der Fachliteratur nicht klar dargelegt.
Herkunft und wissenschaftlicher Status
Demi-Gender ist ein relativ junges Label, das vor allem in Online-LGBTQ+-Gemeinschaften und auf Tumblr-/Discord-ähnlichen Plattformen entstanden ist. Klinische oder wissenschaftliche Literatur, in der Demi-Gender als eigenständige Kategorie untersucht und validiert wird, gibt es kaum. Damit ist es ein typisches Beispiel für das, was Kritiker als „Identitätsproliferation“ bezeichnen: ein schnell wachsendes Sortiment an Selbstbeschreibungen ohne gemeinsame Definition oder empirische Grundlage.
Ein kritischer Punkt: Eine „teilweise Identifikation“ mit einem Geschlecht ist für die meisten Menschen – über alle Zeiten hinweg – eher die Regel als die Ausnahme. Kaum jemand entspricht jedem Geschlechterklischee. Ob dies eine eigenständige Identitätskategorie rechtfertigt oder eher ein Zeichen dafür ist, dass die strikte Unterscheidung zwischen „echten“ und „nicht echten“ Geschlechtsidentitäten zu eng gefasst ist, lässt sich diskutieren.
Demi-Gender und Dysphorie
Nicht alle demi-gender Personen berichten von Geschlechtsdysphorie. Für manche ist das Label eine Beschreibung eines inneren Erlebens ohne Beschwerden; für andere geht es mit Beschwerden einher. Wer aufgrund eines solchen Labels eine medizinische Behandlung erwägt, sollte sich bewusst machen, dass Hormone und chirurgische Eingriffe tiefgreifend und teilweise irreversibel sind – eine Abwägung, die im diffusen Feld der Identitätslabels nicht automatisch sorgfältig vorgenommen wird. Welche Fragen eine gute behandelnde Person zunächst stellt, steht auf transgendercheck.nl.
Verwendung und Terminologie
Die Terminologie rund um Demi-Gender ist nicht standardisiert. Neben Demiboy und Demigirl kursieren Demi-Nonbinary, Demi-Genderfluid und unzählige weitere Kombinationen. Verwandte Labels sind Genderflux (eine wechselnde Intensität des Geschlechtsempfindens) und Genderfae (fluid innerhalb des weiblichen Spektrums). Was jemand genau mit einem Begriff meint, hängt stark von der jeweiligen Person ab; dadurch ist das Label für den allgemeinen Sprachgebrauch und für politische beziehungsweise administrative Zwecke wenig praktikabel.
Siehe auch
Quellen
- Richards, C. et al. (2016). "Non-binary or genderqueer genders." International Review of Psychiatry, 28(1). DOI
- Hyde, J.S. et al. (2019). "The future of sex and gender in psychology: Five challenges to the gender binary." American Psychologist, 74(2). DOI
- Stock, Kathleen (2021). Material Girls. Fleet.
- Shrier, Abigail (2020). Irreversible Damage: The Transgender Craze Seducing Our Daughters. Regnery.