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X-Gender

Vier Pässe aus verschiedenen Ländern nebeneinander
Foto: Horizon206, CC0, via Wikimedia Commons

„X-Gender“ (Japanisch: エックスジェンダー, ekkusu jendā) ist eine japanische Sammelbezeichnung für Personen, die sich weder als Mann noch als Frau identifizieren. Der Begriff entstand in der japanischen LGBTQ-Szene rund um Osaka und Kyoto in den 1990er-Jahren und ist grob das japanische Gegenstück zum westlichen nichtbinär.

Was ist damit gemeint?

X-Gender ist ein Sammelbegriff für mehrere Unterkategorien: „chūsei“ (zwischen Mann und Frau), „ryōsei“ (beides gleichzeitig), „mussei“ (kein Geschlecht) und „fuonteisei“ (fluide). Der Begriff wird in Japan vor allem in Selbstorganisationen und in begrenztem rechtlichem Kontext verwendet; 2019 begann Japan vorsichtig damit, X als Option in einigen Formularen aufzunehmen, eine vollständige rechtliche Anerkennung gibt es jedoch nicht.

Unterscheidung und Überschneidung

X-Gender entspricht strukturell dem westlichen Begriff nichtbinär, ist jedoch in einem eigenen kulturellen und sprachlichen Kontext entstanden. Im zeitgenössischen japanischen Aktivismus werden auch englische Begriffe wie „non-binary“ und „genderqueer“ übernommen, wodurch die Begriffe ineinander übergehen.

Gesellschaftlicher und praktischer Kontext

Die japanische Gesellschaft steht geschlechtlicher Vielfalt überwiegend konservativ gegenüber; X-Gender-Personen stoßen in Beruf, Bildung und bei rechtlichen Identitätsdokumenten auf praktische Probleme. Eine rechtliche Namensänderung ist möglich, aber schwierig; für eine Änderung des Geschlechtseintrags galt lange eine Sterilisationspflicht, die der Oberste Gerichtshof Japans am 25. Oktober 2023 für verfassungswidrig erklärte. In den Niederlanden entfiel diese Pflicht mit dem Transgendergesetz von 2014.

Kritische Perspektiven

X-Gender ist ein interessanter Fall: Das Label ist japanisch und verfügt über eigene Unterkategorien, steht jedoch zunehmend unter dem Einfluss des globalen englischsprachigen Identitätsdiskurses. Die Frage, ob dahinter eine eigenständige japanische Tradition steht oder ob das Label vor allem eine Übersetzung westlicher Konzepte ist, bleibt offen. Wie nichtwestliche Kategorien im westlichen Diskurs verwendet werden, wird unter Gender in anderen Kulturen erläutert.

Quellen

  • Dale, S.P.F. (2012). "An introduction to X-jendā: Examining a new gender identity in Japan." Intersections: Gender and Sexuality in Asia and the Pacific, 31. Tekst
  • McLelland, Mark (2005). Queer Japan from the Pacific War to the Internet Age. Rowman & Littlefield.
  • Oberster Gerichtshof Japans, Urteil vom 25. Oktober 2023 (zur Sterilisationspflicht bei der Änderung des Geschlechtseintrags).