Environmental Progress — WPATH Files
Environmental Progress ist ein US-amerikanischer Thinktank des Publizisten Michael Shellenberger, der ursprünglich vor allem für Kampagnen zugunsten der Kernenergie bekannt war. Am 4. März 2024 veröffentlichte die Organisation die sogenannten WPATH Files zusammen mit einem begleitenden Bericht der Journalistin Mia Hughes.
Was sie enthalten
Die WPATH Files bestehen aus Screenshots eines internen Diskussionsforums der World Professional Association for Transgender Health aus den Jahren 2021 bis 2024 sowie einem Video einer internen Podiumsdiskussion. Dem Bericht zufolge geht daraus hervor, dass Mitglieder bezweifelten, ob Minderjährige die Folgen einer Behandlung überblicken können. Das berührt die Debatte über die informierte Einwilligung in der medizinischen Versorgung.
Hintergrund und Kritik
Die Interpretation von Environmental Progress ist umstritten. Die Organisation spricht von medizinischem Fehlverhalten; Kritiker halten dem Bericht vor, die Forenbeiträge selektiv und falsch wiederzugeben. Die Dokumente sind daher am besten als Primärmaterial mit einer deutlich subjektiven Einordnung zu lesen. Mehr Kontext findet sich unter internationale Entwicklungen.
Wer dahintersteht
Michael Shellenberger ist Gründer und Präsident von Environmental Progress. Nach eigenen Angaben befasst sich die Organisation mit Kernenergie, Klima und Naturschutz sowie mit Obdachlosigkeit, Kriminalität und Drogenpolitik. Sie ist Mitbegründerin der Kampagne Stand Up for Nuclear. Die Postanschrift befindet sich in Albany, Kalifornien. Auf der Website wird mitgeteilt, dass die Organisation seit 2024 unter dem Namen Civilization Works arbeitet. Gendergesundheit oder Medizin werden auf der Website nicht als Arbeitsbereiche aufgeführt.
Der Bericht
Der vollständige Titel des Berichts lautet The WPATH Files: Pseudoscientific surgical and hormonal experiments on children, adolescents, and vulnerable adults. Auf den Screenshots sind die Namen unkenntlich gemacht, mit Ausnahme der Namen öffentlicher Personen. Genannt werden unter anderem die WPATH-Präsidentin Marci Bowers und der kanadische Kinderendokrinologe Daniel Metzger. Environmental Progress verweist auf Diskussionen über eine Vaginoplastik bei einer Vierzehnjährigen und über Hormone für einen Dreizehnjährigen mit Entwicklungsverzögerung. Wie die Dokumente beschafft wurden, erläutert die Organisation nicht. Sie spricht lediglich von geleakten Dateien. Shellenberger kommt zu dem Schluss, dass Gender-Medizin weder Wissenschaft noch Medizin sei.
Reaktion von WPATH
Einen Tag nach der Veröffentlichung reagierte Bowers im Namen von WPATH. Sie erklärte, dass sich der Verband stets auf Wissenschaft und Evidenz gestützt habe und seine Empfehlungen weltweit von großen Organisationen umfassend unterstützt würden. Dass Kritik auch aus den eigenen Reihen des Berufsstands kommt, zeigt der Bericht über den US-amerikanischen Vorsitzenden der ACOG-Sektion, der nach Kritik an den WPATH-Leitlinien zurücktrat. Wer die Dateien verwendet, sollte die Screenshots selbst lesen und sie vom sie umgebenden Kommentar trennen. Mehr über die Berichterstattung in konservativen Medien erfahren Sie bei City Journal. Die wissenschaftliche Perspektive findet sich unter systematischen Übersichtsarbeiten zur Gendergesundheit.