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Thromboserisiko bei einer Östrogentherapie

Verpackungen und Sachets mit Estradiolpflastern zweier Marken auf einem Holztisch.
Foto: Vack Xu, CC0, via Wikimedia Commons

Eine Östrogentherapie im Rahmen einer feminisierenden Hormonbehandlung erhöht das Risiko für venöse Thromboembolien (VTE): Blutgerinnsel in den Beinvenen (tiefe Venenthrombose) oder in der Lunge (Lungenembolie). Das Risiko hängt von der Darreichungsform, der Dosis und den individuellen Merkmalen der Patientin oder des Patienten ab.

Wissenschaftliche Grundlage

Die Kohortenstudie von Getahun und Kollegen (2018), veröffentlicht in den Annals of Internal Medicine, stellte bei trans Frauen unter einer Östrogentherapie im Vergleich zu Kontrollpersonen eine erhöhte Inzidenz venöser Thromboembolien fest. Auch die europäischen ENIGI-Kohorten und die Langzeitstudie von Wierckx und Kollegen (2012) berichten über eine erhöhte Thromboseinzidenz bei trans Frauen. Eine Übersicht über die Risiken für Herz und Gefäße, einschließlich Thrombosen, findet sich auf transkompas.nl.

Oral versus transdermal

Die Clinical Practice Guideline der Endocrine Society (2017) weist darauf hin, dass orales Ethinylestradiol die Gerinnungsfaktoren in der Leber stärker beeinflusst als andere Östrogenpräparate und mit einem höheren VTE-Risiko verbunden ist. Transdermales Estradiol (Pflaster, Gel) wird mit einem geringeren Risiko in Verbindung gebracht und bei Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Risiko empfohlen.

Risikofaktoren

  • Alter über vierzig Jahre
  • Rauchen
  • Übergewicht und Adipositas
  • Erbliche Gerinnungsstörungen (wie Faktor-V-Leiden)
  • Längere Immobilität oder operative Eingriffe
  • Frühere Thrombose oder Lungenembolie

Empfehlungen für die klinische Praxis

Internationale Leitlinien empfehlen vor Beginn einer Östrogentherapie eine Risikoeinschätzung unter Berücksichtigung der Familienanamnese, des Lebensstils und bestehender Begleiterkrankungen. Bei erhöhtem Risiko wird die transdermale Anwendung bevorzugt. Vom Rauchen wird dringend abgeraten, und rund um operative Eingriffe wird die Östrogeneinnahme häufig vorübergehend pausiert. Weitere Informationen finden sich unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei der Transition und Nebenwirkungen einer Hormontherapie; auch Progesteron kann das Gerinnungsrisiko erhöhen.

Quellen

Getahun, D., Nash, R., Flanders, W.D., et al. (2018). Cross-sex Hormones and Acute Cardiovascular Events in Transgender Persons: A Cohort Study. Annals of Internal Medicine, 169(4), 205–213. doi:10.7326/M17-2785

Wierckx, K., Mueller, S., Weyers, S., et al. (2012). Long-term evaluation of cross-sex hormone treatment in transsexual persons. Journal of Sexual Medicine, 9(10), 2641–2651. doi:10.1111/j.1743-6109.2012.02876.x

Hembree, W.C., et al. (2017). Endocrine Treatment of Gender-Dysphoric/Gender-Incongruent Persons. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 102(11), 3869–3903. doi:10.1210/jc.2017-01658

Coleman, E., et al. (2022). Standards of Care for the Health of Transgender and Gender Diverse People, Version 8. International Journal of Transgender Health. doi:10.1080/26895269.2022.2100644