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2025

US-Gesundheitsministerium bewertet die Evidenz

Betonbau des Hubert H. Humphrey Building in Washington, Hauptsitz des US-Gesundheitsministeriums.
Foto: APK, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Im Mai 2025 veröffentlichte das US-Gesundheitsministerium einen Bericht über die Behandlung von Genderdysphorie bei Minderjährigen. Es war das erste Mal, dass die US-Bundesregierung die Evidenz für diese Behandlung selbst bewerten ließ.

Die Schlussfolgerungen

Der Bericht bewertet die vorhandenen Literaturübersichten und kommt zu dem Schluss, dass die Evidenz für den Nutzen von Pubertätsblockern, Hormonen und Operationen bei Minderjährigen von geringer Sicherheit ist, während die Risiken real sind. Er spricht sich für Psychotherapie als ersten Schritt aus.

Die Kritik

Der Bericht wurde im Auftrag der Trump-Regierung erstellt, und bei seiner ersten Veröffentlichung wurden die Namen der Autoren nicht genannt. US-amerikanische Ärzteverbände, die die bisherige Behandlung unterstützen, wiesen den Bericht zurück.

Der US-amerikanische Kontext

In den Vereinigten Staaten ist die Genderbehandlung von Minderjährigen stark politisiert. Mehr als zwanzig Bundesstaaten haben die Behandlung gesetzlich verboten, andere Bundesstaaten schützen sie dagegen. Einen Monat nach dem Bericht entschied der Oberste Gerichtshof über diese Verbote; siehe United States v. Skrmetti.

Wie der Bericht entstand

Ende Januar 2025, eine Woche nach seinem Amtsantritt, unterzeichnete Präsident Trump ein Dekret über die medizinische Behandlung von Minderjährigen mit Genderdysphorie. Darin wurde das Gesundheitsministerium angewiesen, innerhalb von neunzig Tagen eine Übersicht über die Evidenz zu veröffentlichen. Der am 1. Mai erschienene Bericht umfasst mehr als vierhundert Seiten. Er ist keine neue Untersuchung an Patienten, sondern eine Bewertung bestehender Literaturübersichten, ergänzt durch Kapitel über die Geschichte der Behandlung, die Ethik und die Rolle der Psychotherapie.

Die Autoren

Dass die Autoren zunächst anonym blieben, war ungewöhnlich und schürte das Misstrauen. Das Ministerium erklärte, es habe die Verfasser während des Begutachtungsverfahrens vor äußerem Druck schützen wollen. Im November 2025 erschien eine endgültige Fassung mit den Namen der Autoren und den Kommentaren externer Gutachter. Zu den Autoren gehörten Ärzte, ein Philosoph und Forscher, die bereits seit Längerem kritische Beiträge über die Behandlung veröffentlicht hatten.

Die Reaktion der Ärzteverbände

Die US-amerikanische Kinderärztevereinigung erklärte, der Bericht stelle den medizinischen Konsens falsch dar und messe einer begrenzten Zahl von Quellen zu großes Gewicht bei. Derselbe Verband hatte 2023 angekündigt, die Evidenz selbst systematisch bewerten zu lassen. Kritiker des Verbands weisen darauf hin, dass er die Behandlung weiterhin empfohlen habe, ohne deren Ergebnis abzuwarten.

Die Folgen

Der Bericht stand nicht für sich allein. Die Bundesregierung nutzte ihn für Maßnahmen gegen Krankenhäuser, die Minderjährige behandeln, unter anderem über die Bedingungen für die Bundesfinanzierung und durch Untersuchungen des Justizministeriums. Im Laufe des Jahres 2025 schlossen mehrere große Kinderkrankenhäuser ihre Genderkliniken oder stellten die Verschreibung von Pubertätsblockern und Hormonen an Minderjährige ein, auch in Bundesstaaten, in denen die Behandlung gesetzlich erlaubt ist. 2026 folgte eine Regelung, die die Kostenübernahme für Hormone und Operationen bei Minderjährigen über Medicaid beendet; siehe den Nachrichtenbeitrag zur Medicaid-Regelung.

Bedeutung

Bis 2025 stand die US-Bundesregierung auf der Seite der Ärzteverbände und verteidigte die Behandlung in Gerichtsverfahren gegen Bundesstaaten, die sie verboten hatten. Mit diesem Bericht bezog sie erstmals selbst inhaltlich Stellung zur Evidenz – und diese Position stand der früheren Haltung entgegen. Für Leser außerhalb der Vereinigten Staaten ist es daher schwierig, den Bericht losgelöst von dem politischen Kurswechsel zu betrachten, aus dem er hervorging.

Die Schlussfolgerungen zur Evidenz stimmen mit denen der europäischen Bewertungen überein, etwa mit der Cass Review. Der Unterschied liegt im Kontext: In Europa führten die Bewertungen zu einer Anpassung medizinischer Leitlinien, in den Vereinigten Staaten spielen sie eine Rolle in einem politischen und juristischen Konflikt.

Quellen