Ryan T. Anderson — When Harry Became Sally

When Harry Became Sally: Responding to the Transgender Moment ist ein Buch des amerikanischen politischen Philosophen Ryan T. Anderson. Es erschien 2018 bei Encounter Books. Anderson ist ein sozialkonservativer Denker und arbeitete zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bei der Heritage Foundation.
Worum es geht
Anderson erörtert die kulturelle und politische Debatte über Transgender-Identität in den Vereinigten Staaten. Er wendet sich gegen das, was er als Transgender-Ideologie bezeichnet, und steht Hormonbehandlungen und Operationen kritisch gegenüber, insbesondere bei Minderjährigen. Das Buch enthält Berichte von Menschen, die ihre Transition bereuten, und geht auf die Gesetzgebung zu Toiletten, Schulen und Sport ein. Ausgangspunkt seiner Argumentation ist, dass der Körper bestimmt, ob jemand ein Mann oder eine Frau ist.
Rezeption und Kritik
Konservative Medien lobten das Buch. Kritiker warfen Anderson vor, Transgender-Personen mit ihrem früheren Namen zu bezeichnen und Geschlechtsdysphorie als Störung zu behandeln. Im Februar 2021 nahm Amazon das Buch aus dem Verkauf und begründete dies damit, dass es LSBTI-Identität als psychische Erkrankung darstellen würde. Anderson wies diese Interpretation zurück, und die Entfernung löste eine Debatte über Zensur aus. Im Februar 2025 nahm Amazon das Buch wieder in sein Angebot auf. Es ist als Beispiel für kritische Perspektiven aus konservativer Sicht aufgenommen.
Die Entfernung durch Amazon näher betrachtet
Das Buch umfasst 264 Seiten. Amazon nahm es im Februar 2021 aus dem Angebot, kurz nachdem das Unternehmen seine Richtlinien zu hasserfüllten Inhalten angepasst hatte. Am 12. März 2021 erläuterte Amazon die Entscheidung: Das Unternehmen habe sich dafür entschieden, keine Bücher zu verkaufen, die LSBTI-Identität als psychische Erkrankung darstellen. Die Entscheidung wurde unter anderem vom amerikanischen Senator Tom Cotton kritisiert, aber auch von der National Coalition Against Censorship, einer Organisation, die sich allgemein gegen Zensur wendet. Die Kritik an der Entfernung kam somit nicht nur aus Kreisen, die dem Autor nahestehen. Am 4. Februar 2025 machte Amazon die Entscheidung rückgängig.
Einordnung neben anderen Büchern
Die Kritik, dass Anderson Transgender-Personen mit ihrem früheren Namen bezeichnet, kam unter anderem von der progressiven Nachrichtenseite ThinkProgress. Das Buch unterscheidet sich durch seinen Ausgangspunkt von anderen kritischen Titeln in diesem Archiv. Anderson schreibt aus einer sozialkonservativen Tradition heraus. Autorinnen wie Kathleen Stock und Helen Joyce gelangen aus der Philosophie beziehungsweise dem Journalismus zu teilweise ähnlichen Einwänden, teilen diesen Hintergrund jedoch nicht. Anderson blieb auch nach dem Buch in der Debatte aktiv. Später war er am Ethics and Public Policy Center tätig und verfasste eine Empfehlung für den Dokumentarfilm The Detransition Diaries, den er als einen Film bezeichnete, den jeder sehen müsse.