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Pangender

Die Pangender-Flagge mit gelben, rosa und weißen Streifen
Bild: Nikki, CC0, via Wikimedia Commons

„Pangender“ ist ein in jüngerer Zeit online entstandenes Identitätslabel, bei dem jemand angibt, sich gleichzeitig mit „allen“ oder „vielen“ Geschlechtern zu identifizieren. Das griechische Präfix „pan-“ bedeutet „alles“ oder „gesamt“. Der Begriff wird in der Regel dem nichtbinären Spektrum zugeordnet und vom genderfluiden Erleben unterschieden, weil es dabei nicht um wechselnde, sondern um eine gleichzeitig umfassende Erfahrung gehen soll.

Was beinhaltet das Label?

Selbstbeschreibungen zufolge erlebt eine pangender Person das eigene Geschlecht als „umfassend“: nicht auf eine oder zwei Kategorien begrenzt, sondern als eine Vielzahl. Was „alle Geschlechter zu erleben“ inhaltlich bedeuten soll — und wie sich das überprüfen ließe — ist nicht operationalisiert. Das Konzept der Geschlechtsidentität ist zudem selbst bereits theoretisch und selbstberichtet; bei Pangender wird diese Einschränkung noch verstärkt.

Abgrenzung zu verwandten Labels

Pangender steht strukturell neben Polygender (mehrere spezifische Geschlechter), Trigender (drei Geschlechter) und Bigender (zwei Geschlechter). Der Unterschied liegt in der Anzahl: Pangender suggeriert „alle“, während die anderen Begriffe eine bestimmte Anzahl nennen. In der Praxis werden die Labels durcheinander verwendet; eine klare Abgrenzung fehlt.

Herkunft und wissenschaftlicher Status

Pangender wurde hauptsächlich in Online-LGBTQ+-Gemeinschaften entwickelt. Klinische oder empirische Forschung, die das Label als klar abgegrenzte Kategorie stützt, gibt es kaum. Kritiker weisen darauf hin, dass die Existenz eines solchen Labels ein grundlegenderes Problem in diesem Teilbereich sichtbar macht: Identitätskategorien vermehren sich auf Grundlage von Selbstbeschreibungen, ohne dass deutlich wird, wo ihre Grenzen liegen oder welchen funktionalen Beitrag sie leisten.

Debatte über kulturelle Aneignung

Ein weiterer Kritikpunkt an Pangender ist, dass der Anspruch, „alle Geschlechter zu erleben“, implizit auch kulturell spezifische Geschlechterrollen umfasst, etwa Two-Spirit, Hijra, Fa'afafine oder Muxe. Viele indigene Gemeinschaften lehnen eine solche freie Aneignung ausdrücklich ab. Eine westliche Person kann kaum auf sinnvolle Weise „alle“ kulturellen Rollen der Welt verkörpern; in diesem Sinne ist der Anspruch auch konzeptionell schwach.

Pangender in der Praxis

Menschen, die dieses Label verwenden, erleben in der Praxis dieselben Herausforderungen wie andere nichtbinäre Personen: Offizielle Dokumente kennen die Kategorie nicht, und gesellschaftliche Institutionen funktionieren auf Grundlage des binären Geschlechts. Spezifische wissenschaftliche Forschung zu Pangender als eigenständiger Kategorie fehlt.

Quellen

  • Richards, C. et al. (2016). "Non-binary or genderqueer genders." International Review of Psychiatry, 28(1). DOI
  • Aultman, B. (2014). "Cisgender." TSQ: Transgender Studies Quarterly, 1(1-2). DOI
  • Vincent, B. (2020). Non-Binary Genders: Navigating Communities, Identities, and Healthcare. Policy Press.
  • Stock, Kathleen (2021). Material Girls. Fleet.